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Balkongeflüster
Endlich hatte ich eine WG mit einem Balkon gefunden! Und das freute mich sehr. Ich hatte noch nie eine eigene Wohnung mit Balkon. Klar, früher als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hatten wir eine große Terrasse auf der ich nachts heimlich rauchen konnte, aber jetzt hatte ich endlich mal meinen eigenen Balkon und konnte nun jeden Tag und sooft ich wollte auf meinem Balkon stehen und mir die neue Gegend reinziehen. Die neue Gegend hatte ich schnell intus, aber es gab da ja auch noch all die neuen Nachbarinnen, die sich draußen auf ihren Balkons sonnten, eine rauchten oder mit ihren Freundinnen ablästerten. Und um die alle abzuchecken, brauchte es schon eine Weile.
Floyd, mein neuer Mitbewohner, 43, Werbeagentur und enormer Bierbauch, entpuppte sich schnell als ein wahrer Glücksfall von einem Mitbewohner. Er war ein exzentrischer Plattensammler vor dem Herrn und vor allem ein Vollprofi im Grillen. So kam es auch, das Floyd und ich fast jeden Abend unser neues gemeinsames Ritual pflegten – grillend und saufend in der Küche sitzen (ein Hoch auf Elektrogrills und Floyds Plattensammlung). Unseren Balkon konnte man nur von der Küche aus betreten, was stets ein kleines Abenteuer war, denn hier stapelten sich Mülltüten, Bierkästen und anderes Gedöns. Aus Angst, unsere Wohnung könnte durch das tägliche Gegrille zu schnell und hoffnungslos einfetten, hatten wir die Balkontür immer so weit es nur ging geöffnet. Wir erzielten auf diese Art und Weise wenigstens einen klitzekleinen Sieg im Kampf gegen das Grillfett das durch alle Ritzen und Poren zu sickern schien.
Es war mitten im Sommer, und wir grillten und grillten. Wenn es später am Abend war und uns von den Fleischmassen immer schlechter wurde, konnten wir mit ein wenig Glück unseren Nachbarinnen auf ihren Balkons lauschen. Meistens saßen sie mit irgendwelchen besten Freundinnen auf ihren Balkons und quasselten was das Zeug hielt. Geschnatter hier, Geflüster da, läster rum, ach wunderbar! Doch hörten Floyd und ich in dem Gequassel auch manchmal Männerstimmen. Dann tranken wir stets schneller und drehten die Musik auf Achtzig, aber wenn wir nur Weiberstimmen ausmachen konnten, wurde die Anlage blitzartig auf leise gestellt und unsere Ohren aufs Sensibelste gespitzt – und wir tranken noch schneller.
Meistens gingen die Gespräche, die wir belauschten über den üblichen Frauenkrams – den Beruf, den Chef, das Glamour-Abo und nicht zu vergessen all die vielen Kosmetiktipps, Modetrends und Horoskopweisheiten. Es gab endlose Diskussionen über Dies und über Das, sie redeten stundenlang über Orangenhaut, Bauch-Weg-Übungen, Familie und Kochen.
Doch ab und zu hatten wir Glück und es gab weit interessantere Themen zu belauschen wie zum Beispiel Sex, Sex und Sex. Natürlich kannten wir die meisten unserer Nachbarinnen schon einigermaßen, also die Stimmen, das Äußere und teilweise sogar ihre Ärsche, aber wenn dann auch mal eine ihrer Freundinnen loslegte, dann rannten Floyd und ich nicht geradewegs auf den Balkon um sie abzuchecken, nein, wir überlegten uns vorher, welches Gesicht und welcher Körper wohl am besten zur Stimme passen würden. Das war so etwas wie unser Spiel. Wir lauschten kurz und gaben erst dann unsere Tipps ab. Bei Fehleinschätzungen drohten dem Verlierer miese und lästige Aufgaben wie Abwasch, Klo putzen, Müll runter bringen oder der Oma von unten zu erklären, wo der permanente Fettgeruch herkam. Meistens lagen Floyd und ich mit unseren Einschätzungen ziemlich nah dran, doch ab und zu auch umso mehr daneben.
Einmal, es war etwa Mitte Juni, saßen wir wie gewohnt am Küchentisch und hauten uns den Standard-Bauchspeck rein, tranken Bier in Mengen und hörten Musik, als plötzlich das Geschnatter auf unserem direkten Nachbarbalkon losging. Wir hörten augenblicklich auf die krossen Speckschwarten zu zermahlen und wagten nicht zu atmen – vom Nachbarbalkon kam eine neue, wunderschöne und uns völlig unbekannte Stimme hereingeflattert. Sie klang zwar etwas verraucht, aber dafür jung und extrem raunzig. Floyd tippte sofort auf Hardbody, Mitte zwanzig, doch ich hielt mich vorerst noch zurück. Er war sich schon ziemlich siegessicher und sagte trocken:
„Höchstens dreißig.“
Aber ich ließ mich davon nicht ablenken. Floyd rutschte immer ungeduldiger auf seinem Stuhl herum und konnte meinen Tipp nicht länger abwarten, denn selbstverständlich rannten wir nach beidseitiger Tippabgabe schnellst möglich auf den Balkon um zu überprüfen, wer mit seiner Einschätzung wohl am nächsten lag.
„Ich geh eben pissen, dann geb ich meine Stimme ab.“
„Ja, OK, aber beeil dich, sonst isse weg!“
Ich ging aufs Klo, beeilte mich kein Stück und bemerkte, dass ich mich nicht entscheiden konnte. Ich beschloss der Ungeduld Floyds mit einem mittelmäßigen Tipp ein jähes Ende zu setzen, zog mir die Hose hoch, spülte, ging zurück in die Küche und sah was kommen musste – Floyd hatte die Regeln gebrochen und huschte schnurstracks auf den Balkon als ich die Küche betrat.
„Sorry Paul, ich halt’s nich mehr aus!“
Dieser Loser. Ich schnappte mir mein Bier und kletterte ihm hinterher. Er hatte tatsächlich Recht, auf dem Nachbarbalkon saß eine extrem scharfe Braut, Mitte Zwanzig, rote Haare und Sommersprossen auf den Wangen.
„Hab ich dir doch gleich gesagt du Nulpe!“
„Jajaja!“, grummelte ich und fing gar nicht erst damit an, Floyd den Regelverstoß vorzuwerfen. Oh Mann, dachte ich. Das Spiel war zwar lustig und hatte mir schon viele der miesen Aufgaben erspart, aber immer wenn Floyd gewann, verwandelte er sich augenblicklich in einen rechthaberischen und chauvinistischen Pseudo-Frauenkenner. Zufrieden lehnte er an der Balkonreling und drehte sich eine dicke Siegerziese. Paffend und mit halb zugekniffenen Augen sah er mich an.
„Tja, Jungchen, musst halt noch ne Menge lernen was Frauen angeht!“
Ich knirschte mit den Zähnen und kippte mein Bier runter.
„Du machst den Abwasch!“, sagte Floyd.
So verbrachten Floyd und ich die meisten Sommerabende – Grillen, saufen, wetten – abwaschen. Die folgenden Sommermonate formten unsere Bierbäuche ins Überdimensionale, der Standardbauchspeck erledigte den Rest. Nach unseren Grillorgien gab es traditionell einen gepflegten Nachtisch à la Saint-Albray Käse von LIDL, zwei Euro neunzig. Wir saßen voll gestopft und rülpsend am Küchentisch und warfen uns die Käseherzen rein, tranken Espresso und Schnaps.
Einmal hatten wir beide zwei Frauen in einer Kneipe aufgerissen und planten nun einen gemeinsamen Ladiesdinner mit Kerzen & Co in unserer WG. Floyd pflegte zu solch außergewöhnlichen Anlässen die Gewohnheit sämtliche Kochbücher die er besaß zu studieren, um durch ein extravagantes Dinner besonders hoch punkten zu können (er hatte fast so viele Kochbücher wie Schallplatten). Das hatte er drauf. Wir saßen am Küchentisch, tranken unseren Espresso, schlürften am Schnaps und Floyd las mir einige ausgefallene Rezepte vor:
„Die Knoblauchzehen pellen und durch die Presse drücken. Die Sardellenfilets und die Petersilie fein hacken.“ Schluck Schnaps.
„Die Tomaten in einem Sieb leicht abtropfen lassen und zerkleinern. In einer breiten Kasserolle das Öl erhitzen und den Knoblauch, die Sardellen und zweidrittel der Petersilie etwa fünf Minuten leicht anbraten. Dann den Wein hinzufügen und unter Rühren bei starker Hitze einkochen lassen.“ Großer Schluck Schnaps.
„Die Hitze reduzieren.“, fuhr er fort.
„Die Tomaten in die Kasserolle geben, mit Salz und dem Peperoncino würzen. Die Soße langsam einkochen lassen bis sie dickflüssig geworden ist. Die Garnelen abbrausen und gut abgetropft in die Soße geben.“ Er grinste.
„Hört sich gut an, Alter!“, sagte ich nickend. Dann fuhr er fort.
„Zugedeckt bei schwacher Hitze ziehen lassen!“ Billy Hollyday stimmte gerade „All Of Me“ an, als Floyd dem Ganzen fragend hinzufügte:
„Brauchen wir noch Martini?“
„Geht los!“, stimmte ich ein und trank mein Bier leer. „Noch einen Espresso?“, fragte ich.
„Auf jeden!“
Ich stand auf und schwankte zu unserer ewig treuen Vienna Superautomatica. Sie stöhne und zischte und spuckte hintereinander zwei kleine Tassen Espresso aus.
„Das Gericht mit der restlichen Petersilie bestreuen und mit frischem Baguette servieren. Wir grinsten uns beide an. Zwei dicke Schlücke Schnaps, Gläser leer.
Die Tage verstrichen, der Standartspeck brutzelte und Floyd und ich wurden immer fetter. Irgendwann mochten wir nicht mal mehr daran denken, uns abends mit riesigen Fleischbergen und Plastikgrafenwalder zu mästen, und verfielen in eine Art Trance. Floyd hackte auf mir rum, wann immer er konnte.
„Paul, das Bier schmeckt mir nicht mehr, ich werd langsam alt und grillen schockt auch nicht mehr.“
Unser einziger Lichtblick war das immer näher rückende Ladiesdinner. Ungeduldig zählten wir die Tage. Sieben Tage, fünf, vier, drei und schwups – einen Tag vor der großen Sensation standen wir auf der Schanze vorm Fischladen am Pferdemarkt, rechte Seite. Wir glotzen stumm und misstrauisch auf die vielen, riesigen Fischaugen die uns irgendwie jammernd anschielten und betraten anschließend den Laden.
„Die Augen müssen auf jeden Fall schön glasig sein, sonst kauf ich hier nix!“
Floyd meinte es ernst. Bis wir schließlich die vier Doraden à fünf Euro im Sack hatten, musste sich der dürre Fischmann hinter seiner Theke einiges von Seiten Floyds anhören.
„Du, ich kenn mich bestens aus!“, erklärte er ihm einer Tonlage, als wäre er der heilige Klabautermann persönlich. „Sehe ich naher beim Ausnehmen auch nur ein einziges trübes Fischauge, dann schmeiß ich mit Scheiße, das sag ich dir!“
Der kleinwüchsige Fischmann beteuerte ihm, er habe „Nur frisse Fiss“, und war sichtlich erleichtert als wir den Laden wieder verließen. Natürlich mit den vier Doraden im Gepäck. Etwa das gleiche Schauspiel dann beim Gemüsehändler. Floyd, roter Kopp und leicht angeschwollene Halsschlagadern, den Gemüsehändler fest im Griff und zu allem bereit.
„Du, ich kenn mich aus mit deinem Grünzeug! Sehe ich naher auch nur eine einzige genveränderte Tomate oder sonst was fieses holländisches, ich sag’s dir…“
„Ich schmeiß mit Scheiße!“, dachte ich.
Nach dem Einkauf fühlte ich mich wie damals mit Oma und Opa auf der Kirmes, abgehetzt und total fertig. Aber nichts desto trotz, Floyd war in dieser Hinsicht zwar enorm penibel, doch zurück in unserer Wohnung stand alles, was wir für den Dinner brauchten, in 1A Gütequalität auf dem Küchentisch. Ich hoffte Floyd würde mir nun endlich eine kleine Verschnaufpause gönnen, aber nichts da! Es ging sofort weiter im Takt.
„Paul, ist die Kasserolle sauber?“
„Ja!“
„Alter, haste die Petersilie schon gewaschen?“
„Ja, Meister!“
„Sehr gut…WAHHH! DAS KLO! Ist das Klo schon geputzt?“
„Jupp, schon längst erledigt.“
Floyd konnte seine Aufregung nicht mehr verbergen. Man sah es ihm sofort an, er wollte auf gar keinen Fall verscheißen. Ich hielt es für sinnvoll mal einen Gang runter zu schalten, gut Ding will ja bekanntlich Weile haben und lehnte mich mit dem Küchenhandtuch über der Schulter an die Spüle.
„Ähm, du, Floyd, lassma logga bleiben!“
„LOCKER BLEIBEN?! Wirst du wohl die Tomaten abtropfen lassen?“
„Zu Befehl Chef!“
Floyd war auf achtzig. Eindeutig. Ich erinnerte mich zurück an meine Zeiten in der Gastronomie, wenn’s mal stressig wurde – Chefkoch, sonst Wipers hörend, mit roten Schädel und Schaum vorm Mund am Bongbrett:
„RAUSRAUSRAUS! Bringt endlich das scheiß Essen raus! Verdammt, ich kündige.“
Und genau wie damals freute ich mich jetzt schon auf mein Feierabendbier. Nichts geht öliger runter als ein frisches, kühles Bier nach getaner Arbeit, die Gäste weg, die Küche sauber. Doch soweit waren wir leider noch nicht. Chefkoch Floyd raste ununterbrochen durch unsere kleine WG Küche, vom Herd an den Tisch, vom Tisch zurück an den Herd. Und ich war seine kleine Küchenschabe.
„Gibma dies, gibma das, Zackzackzack. Ist das Messer sauber, haste die Petersilie immer noch nicht gehackt und was ist mit der scheiß Spülmaschine?“
Eigentlich fehlten Floyd nur noch die großen, schwarzen Kochknöpfe an seinem Hemd, dann wäre das Klischee des schwitzenden, Sklaventreibenden Chefkochs perfekt gewesen. Aber ich widersprach nicht, sondern erledigte stattdessen schweigend meine Aufgaben und trank bei passender Gelegenheit von meinem heimlich im Schrank deponierten Bier. Außerdem war Floyd bei solchen Gelegenheiten nun mal ein Perfektionist und es wäre sicher tödlich, ihm jetzt zu widersprechen.
„Paul, du, nimma eben hier die Knoblauchzehen und hau die sorgfältig durch die Presse!“
Klar, natürlich doch, gesagt, getan. Ich wunderte mich schon die ganze Zeit, dass Floyd noch keinem stressbedingten Herzinfarkt zum Opfer gefallen war, als es plötzlich klingelte. Floyd zuckte zusammen und starrte mich an.
„Scheiße, Paul, die Weiber!“
„Nee, ist doch erst sieben, das sind die noch nicht. Ich geh mal nachsehen.“
Ich trocknete mir die Hände ab, ging zur Tür und öffnete. Oh nein! Es war die Oma von unten.
„Sagen sie mal junger Mann, was treiben sie hier eigentlich? Das kann man ja beim besten Willen nicht eine Sekunde länger ertragen nicht! Dieses ständige Getrampel und Gerumpel! Sagen sie mal, haben sie denn gar keine Filzplättchen unter ihrem Küchenmobiliar? Gottchen nee, das ertrag ich keine Sekunde länger nicht!“
Ich wollte gerade auf sie eingehen und sie etwas besänftigen, da machte sie schon wieder kehrt und ging schimpfend die Treppe runter.
„Keine Sekunde länger nicht!“
„Oha, mein lieber Scholli!“, dachte ich, drückte die Tür ins Schloss und begab mich zurück zu Floyd in die Küche. Doch er war verschwunden.
„Ähm, Floyd? Du kannst wieder rauskommen, das waren nicht die Weiber, das war die alte Bohnsack!“
Vorsichtig öffnete sich die Tür vom Wandschrank und Floyd streckte prüfend den Kopf hervor.
„Junge, nu beruhig dich mal wieder und komm aus dem Schrank raus!“
Die Bohnsack-Situation hatte ihm den Wind aus den Segeln genommen. Schweigend ging er zurück an die Arbeit und fing an, die Sardellenfilets zu bearbeiten. Ich machte derweil die restlichen Tomaten und die Kasserolle klar und nippte hinter Floyds Rücken an meinem geheimen Bier. Ah, lecker!
Ohne weitere Zwischenfälle und Stressattacken bereiteten wir den restlichen Tütata des Dinners vor und sprachen nur wenig. Kurz vor acht erwähnte Floyd dann, er habe „zur allgemeinen Sicherheit“ eine halb volle Flasche Calvados im seiner Manteltasche im Flur gebunkert. Sie diene als Notreserve bei sexuellem Notstand, peinlicher Schweigephase oder ähnlichen unvorhersehbaren Situationen. Da konnte ich nur zustimmen.
Fünf vor acht. Floyd sah mich an. Ich nickte, er nickte und schon standen wir im Flur und kippten den ersten Notfalldrink. Dann klingelte es. Schnell verstauten wir die Flasche in der Manteltasche, schauten uns ein letztes Mal optimistisch und zuversichtlich an und öffneten die Tür. Da standen sie, herausgeputzt und verlegend grinsend.
„Hiiii! Wir beide haben uns gerade zufällig unten im Flur getroffen!“
Floyd und ich glaubten ihnen kein Wort und schauten kurz und hastig zur Manteltasche. Dann übernahm er den Begrüßungspart.
„Ja, meine Damen, schön das ihr endlich da seid! Herzlich Willkommen zu unserem kleinen, aber feinen Abendessen! Wir haben uns wirklich außerordentlich Mühe gegeben!“
Ich musste an den Fischverkäufer denken. Floyd half den beiden mit ihrer Geraderobe und zeigte danach einladend in Richtung Küche.
„Hm, hier riecht’s aber merkwürdig, habt ihr gegrillt die Tage?“
Mist das Fett. Das hatten wir völlig vergessen. Doch Floyd lenkte gekonnt ab, ruckzuck er kam mit einem Tablett herangeschossen und bot den beiden Gästen ein Glas Martini an.
„Oh wie reizend!“
Prost hier, Prost da, Schluckschluck, Gläser leer, Situation gerettet. Puh! Bier, Calvados und dann Martini, eine harte Mischung, doch der romantische, von Floyd gedeckte Tisch lenkte von unserem ersten Glimmer ab. Er hatte es wirklich drauf. Im Hintergrund lief ruhiger Jazz und die Kerzen brannten.
„Oh, da habt ihr euch aber Mühe gegeben!“
„Na klar, für euch doch nur vom feinsten!“
Nachdem die beiden am Tisch Platz gefunden hatten, begannen Floyd und ich zu kellnern. Alles verlief zu unserem Besten, bis Floyd die Doraden im Ofen überprüfen wollte und beim Bücken einen solch enormen Furz losließ, das die Gläser wackelten. Geschockt und mit offenen Mündern sahen sich die beiden Mädels an. Floyd tat so, als wäre nichts passiert und fuchtelte im Ofen rum.
„Äh, tja, die verdammte Ofenklappe! Die macht beim Öffnen immer solche komischen Geräusche, ganz normal, braucht wohl etwas Öl, haha!“, Schnell goss ich den beiden Martini nach und verschwand in Richtung Manteltasche.
Nach wenigen Minuten hatten wir das Ruder wieder rum gerissen und saßen kauend und schmatzend an der wirklich gut gelungenen Vorspeise. Garnelen in Tomatensoße. Floyd hatte sich wahrhaftig selbst übertroffen, denn es schmeckte allen ausgezeichnet. Die Stimmung war wieder ausgelassen, wir scherzten rum und nippten an unseren Drinks. Bis ich plötzlich einen winzigen Rest Darm in einer meiner Garnelen bemerkte. Ich tat so als wäre nichts los, spitzte die Lippen und stocherte unbemerkt auf dem Rücken der Garnele rum. Gerade hatte ich einen Zipfel mit meiner Gabel erwischt, da passierte es – Ich zog am Ende des Garnelendarms, rutschte ab und das Mistvieh flog peitschend zusammen mit einem enormen Schwall Tomatensoße in Richtung der linken Titte meiner Kneipenbekanntschaft. Diese sprang kreischend hoch und schnappte sich eine der Servietten.
„Pass doch auf du Schwein, so eine Scheiße!“
„Ey Sorry, da war halt noch Darm!“
„Mann kannste nich aufpassen?“
Damit war der Abend endgültig gelaufen. Sie fing an zu heulen. Floyd wollte sie mit einem Glas Martini beruhigen, doch es half nichts. Sie packte ihre Sachen ein, zog sich ihre Jacke über und suchte schluchzend das Weite.
„Na super, Paul, wirklich super!“ Floyd war sichtlich angepisst.
„Ich geh dann besser auch mal!“, bemerkte Floyds Bekanntschaft. Blitze des Hasses trafen mich aus seinen zusammengekniffenen Augen. Ich konnte mich auf was gefasst machen. Ich hatte es versaut.
„Ehm, ich mussma aufs Klo!“, lenkte ich ab und schlich aus der Küche. An der Manteltasche angekommen und nach einem tiefen Schluck aus der Notfallpulle erschien mir der Abend nur noch wie ein schlechter Witz. Wir hatten verschissen. Kurz darauf saßen Floyd und ich wieder am Küchentisch, leerten zusammen die Calvadosflasche und starrten ins Leere.
„Du machst den Abwasch!“, sagte Floyd.
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