Gespeichert unter: Life of R!L | Schlagworte: Alltag, Gedanken, Hieronymus Bosch, Leben, LIDL, Menschen
Der qualmende Motor der sich immer weiter ausbreitenden My Space – Generation dröhnte und kläffte, das Glühen der schnaufenden Zylinder war grell und erblindend. Und ich hatte nichts mehr zum trinken.
Also schnell hinein in die stinkende Jeans aus’m Secondhand Laden. Sie und meine Waschmaschine hatten sich gegenüber lediglich eine kurze, nicht sonderlich intime Bekanntschaft zu verzeichnen. Scheiß Bierflecken im T-Shirt…Deo? Was ist das denn? Rein in die zerfetzen CIRCA’s, ach welch ein käsiges Erlebnis!
Aber egal jetzt, ich will Weizen!
Der Weg zum LIDL ist wie ein Spaziergang durch ein Hieronymus Bosch Gemälde – gepiercte Fratzen, schreiend, saufend, stinkend und immer mit dabei ihre von Flöhen und Würmern zermarterten Köter. Sitz, Platz, lieb sein, wie meinen? Punk’s alive…
Verdammt, einen frischen Scheißhaufen übersehen. Die breiige Masse arbeitet sich durch meine durchlöcherten Schuhsohlen. Egal, hab Fußpilz und bin eh schon seit Geburt schwer traumatisiert.
Die Griffe der LIDL – Eingangstür meide ich – nicht, weil ich etwa paranoid vor Virenattacken bin, sondern weil jeder Arsch die Viren schon auf zwei Meter Entfernung ausmachen kann. Gute Möglichkeit die Hundescheisse loszuwerden. Ein gekonnter Tritt, die Tür ist auf, die Kacke weg und der Horror geht los.
Zum Glück steht das Weizen gleich am Eingang. Aber vergiss es – Türkenmutter plus Anhang versperrt jede Ausweichsmöglichkeit in Richtung Kasse. Also hinterherdackeln. Ich glaub heute gab es mal wieder Sucuk. Riecht jedenfalls so. Will ja niemanden beleidigen, ich liebe Sucuk und salzigen Ayran, aber nicht als Fahne, und vor allem nicht, wenn ich selbst nichts davon hatte und im LIDL stehe.
Doch siehe da – die vier kleinen Blagen haben die Süßwarenabteilung gewittert, der Weg wird unter tosendem Kindergeschrei frei und ich renn los…YEAH! Nee, doch nicht – Kasse auf einmal schrott.
“Tut mir wirklich leid!”, sagt die Frau an der sonst geldspeihenden Tippse.
“Jaja, auch egal!”, und ab zur nächsten Kasse. Da geht’s dann auch endlich mal zur Sache – Mist, sieben Cents zu wenig, kein Erbarmen von Seiten der Kassiererin, also aus vier kurzerhand drei Weizen gemacht. Auf’s “Auf Wiedersehen” heute mal geschissen.
Beim rausgehen fast wieder die Kacke erwischt, doch Glück gehabt. Dann, eine halbe Minute darauf wieder Glück gehabt, den Bus gestrichen, der Schreck vor dem zerstückelt-auf-der-Kreuzung-liegen, ist von dannen…
Zu Hause angekommen, Tür auf, Gelaber der mich hassenden Nachbarin ignoriert, denn ich höre nunmal nachts gerne laute Musik. Komme oben an, schließ auf, mach mich nackig, leg mich hin, trink das erste güldene Weizen und denke:
“Amy, du hast es einfach drauf!”
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